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Zwei Whiskey fĂĽr Papa Charlie

„Zwei Whiskey für Papa Charlie, komm mal hierüber hier stehen zwei Meter“.

Wenn Sie lieber Leser glauben, dass bei diesem Satz Alkohol im Spiel ist, dann liegen Sie völlig falsch. Wenn Sie vermuten, der Sprecher dieses Satzes könnte sich in einem Rauschzustand befinden, dann sind Sie der Wahrheit schon ein wenig näher gekommen.

Diesen und ähnliche Redewendungen können Sie im Flugfunk der Segelflieger hören. Auch von anderen eigentümliche Formulierungen scheint es da nur so zu wimmeln. Da werden „Hammerbärte ausgegraben“ und von „Wolkenstraße auf dem zweiten Schenkel“ wird gesprochen. Es scheint sich um eine Art Geheimsprache zu handeln, die dem Laien, dem Uneingeweihten wenig zu sagen scheint.*

Tatsächlich ist es so! Die Sprache entstammt einer verschworenen Gemeinschaft, die sich einem ganz besonderen Spiel verschrieben hat. Einem Spiel, dass ein kluger Kopf treffender Weise als „Schach gegen die Schwerkraft“ bezeichnet hat. Wie jedes Spiel findet es seinen Zweck nur in sich selbst, bereitet einem Freude, schult kognitive und oder motorische Fähigkeiten und orientiert sich an Regeln.

So macht den besonderen Reiz des Segelfliegens aus, im Einklang mit der Natur, deren Kräften und Gesetzmäßigkeiten unter Nutzung des eigenen Wissens, der eigenen Geschicklichkeit, der ansonsten unablässig wirkenden Schwerkraft unseres Planeten zumindest zeitweise zu entkommen und dies motorlos, ohne Einsatz einer Kraftmaschine.

Wussten Sie dass der Höhenweltrekord im Segelfliegen bei über 15.000 m liegt? Die weiteste Strecke über 3000 km beträgt und bei solchen Flügen Durchschnittsgeschwindigkeiten von 170 km/h und mehr erreicht werden?

War Ihnen bekannt, dass Segelflieger auf den direkten Spuren von Otto Lilienthal wandeln, dessen Ideen, nachdem Sie fast in Vergessenheit geraten waren, von Darmstädter Studenten und anderen Flugbegeisterten (vom einfachen Jugendlichen bis zum Konsul) nach Ende des ersten Weltkrieges mit viel Enthusiasmus wieder zum Leben erweckt wurden?

Diese Begeisterung war und ist noch so ansteckend, dass Deutschland nicht nur die größte und erfolgreichste Segelflugnation geworden ist, sondern auch Technologie- und Weltmarktführer. Diese Begeisterung erfasst uns Segelflieger jeden Tag aufs Neue und so finden wir uns regelmäßig und oft unter dem Windsack  –  dem Banner des Segelflugs!

Wollen Sie diesen Zauber selbst entdecken  –  sich von dieser Begeisterung mitreisen lassen? Schauen Sie doch einfach mal auf dem Segelflugplatz vorbei und Sie werden schnell entdecken, dass der Instrumentenpilz mit Mykologie nicht viel zu tun hat ;-).

 

A. Bubenik ©



* Gebhardt, Matthias, Wortbildung in der Sprache der Segelflieger, Braunschweig 2005

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